Radiohead machen 3 Mio. “Verkäufe”
16.10.08 Experiment erfolgreich?

Nach einem Jahr zieht der Publisher Warner Chappell die Billanz der Radiohead-Aktion, bei der die Band ihr Album “In Rainbows” ihren Fans online für einen Preis ihres Ermessens anbot.
3 Millionen “Verkäufe” wurden über die Website, iTunes, die physikalische CD und die Diskbox erzielt. Wie viel Geld das im Einzelnen ist, bleibt geheim, denn Geschäftsführer Jane Dyball wollte keine Aussagen zu den Preisen machen, die die User für den Download veranschlagten. Laut Branchendienst ComScore (Wikipedia) hätten 62% gar nichts gezahlt, Music Ally weist aber darauf hin, die Öl Multis nicht zu vernachlässigen, die für die 15 Songs gleich mal 1 Millionen Dollar abdrücken würden. (Ja klar…)
Aber mal ernsthaft von Anfang an. Wir hatten – wie die gesamte Blogosphäre – ausführlich über die Aktion berichtet.
2003 lief mit der Veröffentlichung des Albums “Hail to the Thief” zwischen Radiohead und EMI der Plattenvertrag aus. Eine Verlängerung gab es nicht und so stellte die Band ihr brandneues Album Ende 2007 zum freien Download auf ihre Website.
Der Nutzer hatte die Wahl, wie viel er für die Songs ausgeben möchte. Einzig die E-Mail-Adresse musste angegeben werden.
Parallel dazu konnte man “In Rainbows” als Diskbox mit zahlreichen Extras (für einen Festpreis) erstehen. In Kooperation mit dem neuen Publisher Warner Chappell erschien 3 Monate nach der Online-Aktion auch eine normale CD und ein Vertriebsweg via iTunes (DRM-frei), dessen sich die Band zuvor auch immer geweigert hatte. Ferner schloss der Publisher Verträge mit last.fm, wo die Songs der Band bis heute mehr als 17 Millionen Mal gespielt wurde.
Die Verkäufe schossen in die Höhe und Radiohead war Nr. 1 in den USA und Großbritannien, hält sich momentan wacker in den Top 200.
War das Experiment damit ein Erfolg? Ja, auch wenn es hier und da Abstriche gibt.
Klar, “In Rainbows” lief alle Mal wirtschaftlich erfolgreicher als der Vorgänge “Hail to the Chief”. Klar ist aber auch, dass die Downloads via BitTorrent & Co. um ein vielfaches höher sind, als die Downloads über die Website bzw. iTunes, obwohl sie wohl in dem Fall ausnahmsweise nicht illegal sind.
In den ersten Wochen war deutlich zu erkennen, dass echte Radiohead-Fans die Download-Zahlen beflügelten. Sie zahlten auch bereitwillig angemessene Preise für “In Rainbows”. Danach wurde die Sache aber so populär, dass das Album nicht nur ständig kostenfrei gezogen wurde, sondern Radiohead vielmehr Fragen über ihre “Revolution des Musikbusiness” als die Musik selbst beantworten musste.
Dafür stießen jedoch Tausende neue Fans und Hörer hinzu.
Schön zu sehen, dass das Musikbusiness auch sehr erfolgreich ohne GEMA (bzw. deren britisches Adäquat) und DRM funktionieren kann!
via MusicAlly
Mal wieder hat Radiohead einen Video-Contest ausgerufen, mal wieder ist dabei ein cooles Ding bei rausgekommen.
“Reckoner” und Thom Yokres Erklärung dazu findet ihr bei Nerdcore.
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