15.05.08 On the road again ohne Drogen
von Silvia Knips ⋅ kommentieren
Die Künstlerseele ist eine empfindliche. Sie ruft nach Rausch, nach Abwechslung vom stinknormalen Alltag hinein in die eigene Session. Darum wunderts nicht, dass so viele Künstler - nicht nur Musiker - an der Flasche hängen, Drogen nehmen und einfach jeden Tag aufs neue ihren Schmerz in das stecken, was ihnen am Herzen liegt. Musik, Kunst.
Die Erkenntnis liegt nahe, dass sich aus diesem Raum zu befreien schwer ist, je weiter und je erfolgreicher ein Künstler ist, desto tiefer steckt er in diesem Sumpf des Altbekannten und manchmal geht es hier einfach nicht weiter. Wir brauchen Vorbilder, die uns einen Weg zeigen.
Cat Power über Ihren Weg und Ihr Vorbild Mary J. Blige
Weil wir eine Verantwortung haben. Weil Künstler eine größere Verantwortung haben - auch wenn sie diese nicht gleich sehen.
Mary J. Blige ist heute clean und erfolgreich
Wir brauchen Vorbilder – die mit dem Leben und mit der Kunst klar kommen. Die das Leben ertragen, meistern und zeigen, dass es ohne Drogen geht - weil sie den Schmerz überwunden, ihr eigenes Leben in der Hand haben und nicht nur ihres.
Juno (kanadisch-US-amerikanische Filmkomödie / Soundtrack u.a. Cat Power - Sea of Love)
Warum müssen Künstler immer gleich als Vorbilder herhalten? Bürden wir ihnen damit nicht gleich zu viel Verantwortung auf ? Wer saufen will, soll es doch einfach tun, wer Drogen nimmt - bitte schön !
Wer davon wegkommt ist nicht gleich ein besserer Mensch. (siehe George W. Bush)
Ich brauche keine Vorbilder und wenn xy total druff über die Bühne hüpft ist das seine Sache und ich will nicht darüber urteilen. Hauptsache es gibt was Ordentliches auf die Ohren und die Menge tobt.
Ich denke auch.
Die Bestimmung eines Musikers ist es Musik zu machen, die eines Soldaten Krieg zu machen. Das ist erstmal wertfrei. Warum sollte einem Musiker mehr Verantwortung als einem Arzt, Rechtsanwalt, oder sonstwem aufgebürdet werden?
Ich bewerte einen Arzt oder Rechtsanwalt, eigentlich jeden Menschen nach dem was er bewegt. Ob er Drogen nimmt oder nicht ist schlicht gesagt sein Problem und seine Angelegenheit.
Manchmal gehört es auch dazu und ist mit der Musik verbunden. Wie könnte jemand The Doors oder Greatful Dead- Fan sein und grundsätzlich alle Drogen verdammen?
Musik wird manchmal schwer in die falsche Richtung geschoben. Nimm die Marschmusik. Mag jeder halten was er will davon. Aber dem armen Soldaten der in die Schlacht zieht ist sie eine Hilfe. Sie unterstützt ihn und gibt ihm Mut. Das ist soweit OK. - Die Politischen Interessen hinter dem Spektakel sind was ganz anderes. Aber die Musik an sich - aktiviert Bewusstseinsebenen die vorher vielleicht unbekannt waren.
Wie soll ein Künstler denn an diese Ebenen kommen? Manche heben angeborenes Talent, andere Meditieren oder machen Yoga. Andere nehmen halt Drogen. So what?
Im Asien wurden Bilder von psychisch Kranken verbrannt, damit sie keine negativen Dinge ausstrahlen. Bei uns hängt der van Gogh im Louvre.
Es ist und bleibt wertfrei.
Klar, ihr habt beide recht. ich denke erst einmal ist da ein grosser schmerz - egal wo er herkommt, der den künstler antreibt, gekoppelt natürlich mit einem grossen talent und warscheinlich zwangsläufig ist die neugier und die sucht nach ergründung einfach grösser - und dieser schmerz muss einfach auch ausgefüllt werden mit was auch immer - . klar, durch drogen kann ich die sucht nach tiefe befriedigen - aber was ist danach? ich meine ist es nicht total cool zu sehen, dass es menschen gibt, die diese höhen und tiefen ergründet haben und nicht am strick baumeln wie ian curtis (joy division)? - menschen, die sagen “ich will mein leben in der hand haben”!?
wir leben in einer zeit, in der eine amy whinehouse mit einer spritze im arm erfolg hat. ja, sie ist erfolgreich. aber was ist denn im sport - stellt euch mal vor ein sprinter rennt mit einer spritze im arm die 100 meter - der ist sofort raus. und in der kunst ist alles erlaubt - warum ist das eigentlich so.? es dreht sich doch bei beidem einfach um talent?
@kukidenta - ich finde deinen letzten satz unreif - sorry. klar, wenn eine punkband auf der bühne hoppelt und druff ist, dann ist das amüsant - aber ist das die königsdisziplin???
Ich denke an ein konzert zurück von cassandra wilson. sie ist nach zwei stunden verspätung (/gewandhaus - kartenpreis 80 EUR!!!!) auf die bühne gewackelt und war total breit. es war entsetzlich. ich habe mich einfach total verarscht gefühlt weil ich gute musik hören wollte und keine frau sehen, die sich nicht mehr im griff hat.
ich finde es halt echt cool, einfach musiker oder künstler zu sehen, die weiter gehen, die einfach bock haben auf eine neue ebene. und dann kommt für mich das wahre können und ich rede nicht von einem bierchen.
@P.s.y. du hast recht, es ist eine kulturfrage. van gogh ist ein gutes beispiel.
in der zeit als er sich das ohr abschnitt lebte er mit dem maler gaugin zusammen, der nach dem vorfall die flucht ergriff. van gogh malte wie ein besessener um gaugin zu imponieren - warscheinlich hat er auch hier und da ein bisschen rotwein getrunken - aber verletzt hat er sich weil 2 extrem starke charaktere aufeinandertrafen - und vielleicht wollte er ein bisschen auf sich aufmerksam machen. er war ein exzentriker aber er war ganz er selbst.
Mir geht es nicht um eine Königsdisziplin und ich denke dieser begriff ist bei musikern nicht anwendbar?
was wäre denn diese Königsdisziplin in der musik ?
Klar gibt es Musiker und Künstler die irgendwann ihren drogenkonsum nicht mehr steuern können und somit eine schwäche aufzeigen über die sich dann die medien mit ihrer perversen Doppelmoral aufgeilen.
Und eine amy winehouse hat nicht den erfolg weil sie was auch immer konsumiert, sondern weil sie eine hammer sängerin ist. Aber alle reden nur noch von ihrem konsum, weil die medien das so steuern.
Und Sportler sind ja die schlimmsten. Ich will nicht wissen, wieviel von denen bei olympia bzw. bei der vorbereitung bei dr. dope vorbeischauen. Sauberer Sport - das ich nicht lache.
Musik soll für mich dreckig sein, sie soll provozieren und wenn ein ordentlicher rausch das mittel zum zweck ist - super, weil dann ein musiker nicht so funktioniert, wie ihn das system haben will.
Und unchristlich ist es ausserdem:-)
na ja königsdisziplin - mit herz rocken. ohne drogenverstärker.